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12.2000 The Kimble Story von Evrim Sen Das heikle Thema Telefonbetrug ist über die vielen Jahre hinweg zu einem zeitlosen Klassiker geworden. Zu den bekanntesten und berüchtigsten deutschen Hackern in diesem Bereich zählt ohne
Zweifel Kimble. Zwar gehört er nicht zu der einzigen Gruppe junger Internet-Millionäre, doch macht ihn zumindest eine Tatsache für uns interessant. Denn auch Kimble war einmal ein "gewöhnlicher" Scener.
Von den Anfängen Telefone hatten seit ihrer Erfindung immer etwas
Faszinierendes an sich. Als in den späten 60er Jahren die Deutsche Bundespost noch die deutsche Bevölkerung mit geradezu astronomischen Preisen schockte, sorgte das Telefonieren in den USA bereits für Reibereien
zwischen pubertierenden Teenagern und ihren Eltern. So mitreißend das Gerät auch ist, so muss am Ende doch jedes Gespräch bezahlt werden. Die damaligen primitiven und vor allem analogen Vermittlungsgeräte der
Telefongesellschaften wurden noch mit Signaltönen gesteuert. Die Entdeckung eines kleinen, blinden jungen aus Kalifornien namens Dennie kam da für einige Hobbybastler genau zur rechten Zeit. Mit einer
Spielzeugpfeife aus einer Müslipackung der Marke Cap'n Crunch, konnte er durch Hineinpfeifen in das Telefon die Gebührenübermittlung stoppen. Sein Wissen gab der Junge an einen engen Kontakt, einen ehemaligen
US-Airforce Soldaten namens John Draper weiter, der mit eigens entwickelten Geräten die Erkundschaftung und Schwächen der Telefongesellschaften vollends ausnutzte. So
jedenfalls muss man sich die Anfänge der Gebührenmanipulation und die ersten Ansätze von Telefonbetrug vorstellen. John Draper, der sich später selbst das Pseudonym Cap'n
Crunch verlieh, war somit der Urvater des "Blue Boxings", der Telefonmanipulation durch Töne. Bis zu den Anfängen der 90er Jahre wurde das Blue Boxing zu einer Art Hackerkultur. Sie
schaffte sich den Weg bis hin zur heutigen Demoszene, deren Entstehungsgeschichte zu der illegalen Crackerszene zurückführt. Nachdem die Telefongesellschaften Gegenmaßnahmen
ergriffen hatten, entwickelte sich das Blue Boxing schon bald zu einem nostalgischen Hobby unter den hartgesottensten aller Phreaker. Aber die Szene ließ nicht lange auf sich
warten, denn schon bald hatte man eine neue Methode entdeckt, die Telefongebühren zu umgehen. Diese neue Möglichkeit, die den Telefongesellschaften eine lange Zeit ein Dorn im Auge
war, war der illegale Handel mit den sogenannten Calling Cards. Der von den Kommunikationsgesellschaften angebotene Service des bargeldlosen Telefonierens von
überall aus mit einer 14-stelligen Nummer, eröffnete gerade den Telefonhackern neue Wege. Mit verschiedenen Methoden schafften die Phreaker es, mit geklauten oder
selbsterhackten Zahlen die Computer der Anbieter zu überlisten und so auf Kosten anderer zu telefonieren. Diese neue Ära dauerte eine Weile an, und während dieser Zeit konnte ein
besonderes Mitglied der Szene seinen habsüchtigen Wünschen freien Lauf lassen.Die Szene als Goldesel Zunächst als gewöhnlicher Trader und Systemoperator einer illegalen BBS (Bulletin Board
System), später dann als Telefonbetrüger und Kreditkartenfälscher unterwegs, schaffte es Kim Schmitz alias Kimble auf seiner Laufbahn gegen seine eigene Szene zu arbeiten,
kurzweilig für drei Monate in Haft zu sitzen, später für viel Geld als Berater für die Deutsche Telekom scheinbar untätig zu sein, um dann seine eigens gegründete Firma gegen
Hackerattacken für eine zweistellige Millionensumme weiterzuverkaufen. Geradezu unglaublich klingt die. Story um einen der exzentrischsten Menschen in der
Geschichte der Szene, der in dieser Zeit des Calling-Card-Betrugs erstmals aktiv wird. Wenige Scene-Angehörige schafften es wohl derart, für Schlagzeilen zu sorgen und in das
Kreuzfeuer der Kritik und Peinlichkeiten zu geraten wie Kimble. Aber auch Kimble fing als "gewöhnlicher" Scener an. Doch wie die meisten Szeneleute,
denen der Sprung in die Demoszene etwa als Programmierer, Musiker oder Grafiker gelang, schaffte er dafür den anderen Weg in die illegale Seite geradezu meisterhaft. In der
Szene galt er als jemand, der um jeden Preis seine Ziele erreichen wollte, egal mit weichen Mitteln. Und dies schien zumindest in seinem Fall funktioniert zu haben.
Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass die Szene, so viele kreative Seiten sie auch unter Beweis stellen kann und konnte, auf der anderen Seite solchen Menschen wie
Kimble als Sprungbrett gedient hat. Der Tausch mit Raubkopien boomte schon von der ersten Stunde der Szene an, wo auch Kimble kräftig mitmischte. Doch dass gerade die Zeit
der Telefonmanipulation Kimble zum heutigen Millionär gemacht hat, ist eine interessante Geschichte um den abstrusen Selfmademan. Kimble ist in diesem Fall ein Einzelfall, das hat der Buhmann der Hackerszene nicht nur
seinem ausgeprägten Ego zu verdanken. Auf seiner Website sind mindestens 300 Bilder von ihm abgebildet: Kimble im Hubschrauber, Kimble auf seiner Jacht, Kimble in seiner
Villa, Kimble mit hübschen Frauen . Er zeigt, was er hat und was er geschafft hat. Und neuerdings scheint er selbst davon überzeugt zu sein, eines Tages zu den hundert reichsten
Männern der Weit gehören zu können. Kimble Hand und Hand mit Bill Gates? Wohl kaum. Dennoch bleibt die wesentliche Frage um den korpulenten Maulhelden offen. Wie
konnte aus einem scheinbar ewig Pubertierenden ein Internetmillionär werden? Werdegang aus Untergang Kimble war unter den Phreakern und Usern, die gerne zu Mailboxen in aller Welt
kostenlos anriefen, bekannt als der König der Calling Cards. Nebst seines Imperiums mit gestohlenen Calling Cards baute Kimble seine eigene Partyline, eine kommerzielle
Telefon-Konferenzverbindung, auf, um am Insiderwissen der Szenemitglieder ganz nah dran zu sein. Doch gerade das Geschäft mit der eigenen BBS und den Raubkopien schien
Kimble zunächst zu seinem eigenen Schicksalsschlag zu werden. Denn Kimble selbst wurde von einem sogenannten Buster, der angeblich für den Münchener Rechtsanwalt von
Gravenreuth gearbeitet haben soll, an die Polizei verraten. Und hier passierte das unglückselige Ereignis, das man sich so vorstellen muss: Als die Beamten lediglich die
Mailbox samt Raubkopien beschlagnahmen wollten, fanden sie dazu noch Hunderte von gefälschten Telefon und Kreditkarten - ein Zufallstreffer, wie man es aus Krimiromanen
kennt. Die Anklage: Zwei Millionen Mark Schaden. Freiherr von Gravenreuth selbst habe Kimble bei dieser schwierigen Lage "beraten", hieß es damals von der Seite der
Anwaltskanzlei. Kimble habe im Gegenzug sämtliche illegal agierenden Szenemitglieder an den Anwalt verraten, wurde es laut, als zeitgleich tatsächlich mehrere Mailboxen, die in
Kontakt mit Kimble standen, aufgrund illegaler Tätigkeiten ihre Pforten für immer schließen mussten. Zufall? So oder so, Kimble hatte sich fein aus der Affäre gezogen, schien es zumindest für die meisten.
Doch damit war Kimble nicht am Ende seiner Kräfte angelangt. Im Jahre 1996 schaffte er zum ersten mal den berühmten GSM-Hack - das Duplizieren einer Handykarte, um auf
Kosten eines anderen zu telefonieren. Dies brachte ihm von der Deutschen Telekom den umstrittenen Beratervertrag ein, der von nun an zu seinem vermeintlichen Hauptverdienst
wurde. Während der Chaos Computer Club (CCC) sich darum stritt, ob dieser Beratervertrag, der Kimble angeblich einen monatlichen Nettoverdienst von dreißigtausend Mark einbrachte, ein Schweigegeld war, oder ob Kimble angeblich für den
Verfassungsschutz gearbeitet habe, baute Kimble inzwischen seine eigene Firma auf diesen Geldern nach und nach auf. Aussagen des CCCs zufolge hatte Kimble, außer das Blatt vor
den Mund zu nehmen, ohnehin nichts für die Telekom getan. Aber auch der CCC, der sich angeblich so gern in der vermeintlichen Wahrheit sonnt, hat bis heute bei den technischen
Erläuterungen zum GSM-Hack auf ihrer Website den Großsprecher der deutschen Hackerszene nicht zu Wort kommen lassen. Dort wird der GSM-Hack scheinheilig als eigene Entdeckung gepriesen.
Mit seinem 26 Jahren und mindestens 50 Kilo Übergewicht häufte der selfmade Millionär bis heute ein geschätztes Vermögen von 250 Millionen Mark an. Er ist an mehreren
Unternehmen und Projekten beteiligt, darunter »Data Protect«, die wohl bekannteste Firma Kimbles, die seither Sicherheitssoftware gegen Hacker entwickelt. Der nächste Schritt, so
Kimble, ist die Börse. Informationen über den Börsengang von Kimble findet man auf seiner Website unter http://kimble.org. Da stellt sich wohl eher die Frage: Wer wird wohl eine Kimble-Aktie besitzen wollen? von Evrim Sen |
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>> Leseprobe: Jimbo, Jimbo >> Leseprobe: Cap'n Crunch >> Cap'n Crunch in Köln >> Artikel: The Cap'n Crunch Story >> Artikel: Berliner Zeitung über Crunch >> Crunch im Buch Hackerland
>> NO COPY - Die Welt der digitalen Raubkopie >> Hackerland - das Logbuch der Szene
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Jan Krömer / Evrim Sen NO COPY Die Welt der digitalen Raubkopie ISBN 3-608500-82-0 EUR 15,80
www.no-copy.org |
Jan Krömer / Evrim Sen NO COPY DER FILM
Die Geschichte der digitalen Raubkopie gibt es nun auch in Form eines spannenden Kurzfilms, mit Denis Moschitto als Sprecher
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Denis Moschitto / Evrim Sen HACKERLAND Das Logbuch der Szene ISBN: 3-608500-29-4 EUR 12,80
www.hackerland.de |
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Evrim Sen / Jan Krömer NO COPY
Die Welt der digitalen Raubkopie |
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ISBN: 3-608500-82-0 EUR 15,80
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NO COPY - Der Film |

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Die Geschichte der digitalen Raubkopie gibt es nun auch in Form eines spannenden Kurzfilms, mit Denis Moschitto als
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