|
CAP'N CRUNCH |
Home / Kapitelübersicht / Cap'n Crunch Leseprobe |
|
HACKERTALES als FREE DOWNLOAD
Das Kultbuch HACKERTALES wird in der 3. Auflage als freies Download auf no-copy.org zur Verfügung gestellt. >> HACKERTALES downloaden |
Die Verhaftung

|
(...) Um mir nicht unnötig den Kopf darüber zu zerbrechen, was auf mich zukommen würde, arbeitete ich am Tag nach Martins Verhaftung mehr denn je zuvor
für mein Studium. Nach der Uni fuhr ich auf dem gewohnten Weg zur Arbeit. Ich hielt neben dem Seven-Eleven-Laden, um etwas einzukaufen, als plötzlich ein Wagen neben mir bremste. Ein weiterer
kam unmittelbar hinter meinem zum Stehen. Vier Typen in Anzügen sprangen heraus und rannten auf mich zu. Während sich meine Aufmerksamkeit noch auf diese Leute richtete, packten mich zwei Beamte von hinten
und pressten mich kräftig gegen meinen Wagen. Man las mir meine Rechte vor und legte mir Handschellen an. In gewisser Weise war ich erleichtert, als ich auf dem Weg zum Verhör im FBI-Dienstwagen saß. Meine Nervosität
schien mit jedem Meter, den wir unserem Ziel näher kamen, zu schwinden. Alan brachte mich zum Santa Clara County, wo ich drei Tage in Untersuchungshaft saß. Mir wurde Gebührenmanipulation und Betrug vorgeworfen. Die FBI-Agenten hatten
genug Beweise in Form von Telefongesprächen und Zeugenaussagen gesammelt, um die Anklage zu untermauern. Meine Verbindung zu Martin wurde bis zu unserer Militärzeit
zurückverfolgt und mit Aufzeichnungen unserer Telefongespräche belegt. Das FBI hatte sich schon vor Monaten in unsere Konferenz eingeschaltet, nur hatten sie damals noch
nichts unternommen. Ich erschrak, als man mir die Protokolle unserer Gespräche vorlas. Es war jetzt schon fast ein Jahr her. Der Name »Cap'n Crunch« fiel in fast allen Aussagen.
Auch von Leuten, von denen ich nie etwas gehört hatte. Das FBI wusste schon lange, dass ich mich hinter diesem Namen versteckte. Selbst die Eltern von Dennie hatten ausgesagt,
dass ich verantwortlich für die Gerätschaften sei, die ihr Sohn für seine Aktivitäten benutzte, was nicht ganz falsch war. Dennie und seine Freunde konnten glücklicherweise
aufgrund ihres Alters nicht belangt werden, was mich sehr erleichterte. Ich brauchte einige Zeit, um die unberechtigten Vorwürfe gegen mich erfolgreich zu dementieren. Das FBI
hatte danach zwar nicht viele, dafür aber äußerst relevante Beweise gegen mich in der Hand. Das reichte ihnen, und ich wurde aus der Untersuchungshaft entlassen.
Draußen wartete ein Journalist der San José Mercury auf mich und bot mir an, mich zu meinem Wagen zu fahren, der immer noch auf dem Seven-Eleven-Parkplatz stand. Ich
nahm das Angebot an, beantwortete ihm jedoch keinerlei Fragen und gab ihm auch keine Informationen über meinen Aufenthalt im Santa Clara County. Ich stritt einfach alles ab und fuhr schließlich nach Hause.
Als ich ankam, hatte das FBI bereits alles durchwühlt. Mein gesamtes Equipment, mein Transmitter, der nichts mit Blue Boxing zu tun hatte, mein Rechenschieber und sämtliche Unterlagen für das Studium waren konfisziert worden.
Es dauerte weitere fünf Monate, bis die Verhandlungen endgültig abgeschlossen waren. Während des Prozesses kam sogar zur Sprache, dass ich der Telefongesellschaft Ma Bell
durch meine Spielereien einen höheren Stromverbrauch und damit auch höhere Kosten beschert hätte. Darüber hatte ich mir verständlicherweise überhaupt noch keine Gedanken
gemacht. Auch die Schäden, die anderen Telefongesellschaften durch das Blue Boxing entstanden waren, wurden mir in Zahlen vorgelegt. Es ging um Millionen von Dollar. Man
versuchte mich für die Aktivitäten aller Phreaker verantwortlich zu machen, was natürlich nicht möglich war. Aber es gelang der Anklage zumindest durchzusetzen, dass dies bei
Erwägung des Strafmaßes mit berücksichtigt wurde. Schließlich verurteilte man mich zu fünf Jahren Bewährungsstrafe, von denen drei Monate im Gefängnis von Lompoc abzusitzen waren. Im Knast
Der Aufenthalt in Lompoc, erinnerte mich an meine Zeit beim Militär. Lompoc hatte eine Menge Ställe, und es kam mir an manchen Tagen so vor, als sei ich in einem Zoo inhaftiert.
Der erste Job, den ich dort hatte, war in der »Schweinerei«. Das bedeutete Schweine füttern und darauf aufpassen, dass sich keiner der anderen Häftlinge unerlaubt ein
Schweinesteak zum Abendessen zubereitete. Als ich bemerkte, dass den restlichen Häftlingen diese Arbeit zuwider war, meldete ich mich freiwillig, um von den anderen nicht
gleich aufs Korn genommen zu werden. Außerdem liebe ich Tiere. Ich habe schon in meiner Kindheit gern auf Farmen geholfen und Schweine aufwachsen sehen. Als die
Wärter merkten, dass ich etwas von Schweinen verstand, konnte ich meine Arbeit im Stall ohne Aufsicht verrichten. Nach einiger Zeit wurde mir diese Arbeit zu langweilig, so dass
ich den Schweinen mit einem Stift die Namen einiger Gefängniswärter und des Richters, der mich verurteilt hatte, verpasste. Bei einer spontanen Inspektion wurden diese Namen
entdeckt, und man wies mir eine Arbeit im Freien zu. Dort musste ich Rasen mähen, Hecken schneiden und die Felder auf Vordermann bringen. Da das Gefängnis sehr nah an
der Vandeburg Air Force Base lag, wurde ich fast täglich Zeuge faszinierender Raketenstarts. Man verbrachte in Lompoc den größten Teil des Tages damit, die zugeteilten Arbeiten zu
verrichten. Die restliche Zeit konnte man draußen in seiner Stube oder mit den anderen Häftlingen in Sportund Handwerksräumen verbringen. Das Gefängnis finanzierte sich durch
die Arbeit der Häftlinge, und aus diesem Grund gab es eigentlich immer etwas zu tun. Bei den meisten Leuten hier handelte es sich um Versicherungs- und Finanzbetrüger. Viele
waren aber auch Komplizen von Kapitalverbrechern, die sich glücklich schätzen konnten, in diesem Ferienlager untergekommen zu sein. Das Verhalten der Wärter war nicht schwer
vorauszusehen. Im freien Feld war man nicht ständig unter Beobachtung, und es gab etliche Möglichkeiten, aus dem Gefängnis auszubrechen, wenn man wollte. Es hieß jedoch,
dass nur Idioten versuchen würden, aus Lompoc auszubrechen. Denn bei einer erneuten Verhaftung musste man mit einer längeren Strafe in einem Sicherheitsgefängnis unter echten
Kriminellen rechnen. Alle, ich eingeschlossen, wollten hier einfach nur ihre Strafe absitzen. Das erste, was ich mir anschaffte, war selbstverständlich ein Radio. Ich konnte meine
Finger einfach nicht davon lassen und begann damit, es ein wenig zu modifizieren. Es machte wieder Spaß, mich mit Radios zu beschäftigen, und nach etwas Arbeit konnte ich
mit meinem Gerät die Funk-Frequenzen der Wärter anpeilen und abhören. Um Telefongespräche zu führen, benutzte ich eine Methode, die sich »Looping« nannte.
Das war wichtig, da das Telefon im Gefängnis nur Telefonate zu bestimmten Nummern erlaubte, die von der Gefängnisleitung registriert wurden. Mit »Looping« war es möglich,
eine Nummer anzuwählen, sich von dort aus unbemerkt weiterzuverbinden, um dann ins freie Telefonnetz zu gelangen. Dazu brauchte man eine sogenannte »Cheese Box«, die sich
aus einem Radio zusammenbasteln ließ. Ohne die Unterstützung einiger Häftlinge, die die technischen Gerätschaften des Gefängnisses verwalteten, wäre es mir nicht möglich
gewesen, die nötigen Werkzeuge zu beschaffen. Als Gegenleistung gab ich mein Wissen an alle Interessierten weiter. Wir taten uns so gegenseitig einen Gefallen, was mir die
Gewissheit gab, nicht als sogenannter »Snitch« abgestempelt zu werden. Mir wurde schnell klar, was auf mich zukommen würde, wenn ich auch nur daran dächte, mein Wissen nicht
mit den anderen zu teilen. Es hieß nämlich, dass »Snitches« entweder umgebracht würden oder sich wünschten, tot zu sein. Montags, mittwochs und freitags abends gab es Nachhilfeunterricht in Blue Boxing.
Unsere Unterrichtsräume waren der Sportplatz oder der Rasen draußen auf dem Gefängnishof. Meine Schüler hatten immer Papier und Bleistift dabei und machten fleißig
Notizen. Ich erklärte ihnen genau, was man alles braucht, um eine »Cheese Box« zu basteln, und wie man damit umgeht. Es war wie in der Schule. Wenn jemand etwas fragen
wollte, hielt er kurz, für die Wärter nicht sichtbar, den Finger nach oben und begann zu sprechen. Das große Lernziel war, das ganze Equipment zu nutzen, ohne dabei erwischt zu
werden. Hin und wieder gab es unter den Inhaftierten auch Leute, die sich mit technischem Gerät auskannten. Ihnen erklärte ich, wie man selbst Fehler-Detektoten bastelt, um
weitere Schwachstellen bei den Telefongesellschaften aufzuspüren. Ich entwickelte mich zu einem guten Lehrer, dem man aufmerksam zuhörte. Es war für mich nicht immer leicht,
Leuten, die teilweise kaum lesen und schreiben konnten, alle diese Sachen beizubringen. Ich bemühte mich, verwirrende Erklärungen zu vermeiden, hielt mich an die einfachen und essentiellen Dinge und übte mich in Geduld.

|
Von den Wärtern ging keine allzu große Gefahr aus. Wenn wir draußen auf dem Sportplatz saßen, war es aufgrund der Lautstärke unmöglich, uns von weitem zuzuhören. Wenn sich
ein Wärter näherte, wechselte ich einfach das Thema, je nachdem, was mir gerade in den Sinn kam. Nach einer besonders komplizierten Unterrichtsstunde kam ich völlig erschöpft in meine Zelle, um mich etwas hinzulegen.
Ich schmiss mich in Sträflingskleidung auf mein Bett und blickte verträumt an die Decke. Nach kurzer Zeit kam ein Wärter zu mir. In seiner Rechten hatte er mein Radio und hielt es mir mit einem großen Fragezeichen im Gesicht unter die
Nase. Ich schluckte. »Ja?«, fragte ich. »Funktioniert das Radio hier?«, fragte er mich, während er das Gerät wild hin und her zu rütteln begann.
Ich nickte. Er hätte es sich sowieso nicht nehmen lassen, es selbst auszuprobieren, wenn ich verneint hätte. »Heute abend ist ein Baseballspiel«, sagte er dann. Ich atmete erleichtert aus. »Ich leihe
mir das Ding mal aus, wenn es geht, ja?« Ich blickte ihn freundlich an. Was sollte ich dazu sagen? Ich konnte sicher sein, dass dieser Wärter zu meinem ärgsten Feind geworden wäre, hätte ich ihm diesen Wunsch verwehrt.
»Morgen bringe ich es wieder zurück.« Ich lächelte ihn immer noch freundlich an. Ich musste ihm das Radio ausleihen, gar keine Frage. »Sicher«, sagte ich in der Hoffnung, dass meine Manipulationen unentdeckt bleiben würden.
Obwohl ich einige Veränderungen an dem Gerät vorgenommen hatte, war es kaum von einem gewöhnlichen Radio zu unterscheiden. Man konnte damit nach wie vor jeden
Sender empfangen. Wären meine Modifizierungen entdeckt worden, hätte ich meinen restlichen Aufenthalt in Lompoc wohl ohne Radio verbringen müssen. Das wusste ich und
hatte darum jede Veränderung an meinem Radio mit reiflicher Überlegung vorgenommen. Man musste schon wissen, welchen Knopf man wie drücken musste, um die erweiterten Möglichkeiten nutzen zu können.
Der Wärter bedankte sich freundlich und ging mit meinem Radio fort. Schlafen konnte ich jetzt nicht mehr. Am nächsten Tag brachte er mir das Gerät ohne Beanstandung zurück. Ich war erleichtert.
Aufgrund seines Mangels an technischem Wissen war ihm nicht aufgefallen, dass das Radio von Empfang auf Senden umgeschaltet werden konnte und sogar Frequenzen seines Walky-Talkys abhörte.
Die Häftlinge wussten meine Talente zu würdigen. Einige hatten sogar die Baupläne aus dem Englischen ins Spanische übersetzt. Als dann die ersten Häftlinge ihre eigene Cheese
Box gebastelt hatten und damit erfolgreich telefonierten, dauerte es nicht lange, bis fast alle Insassen einen solchen Kasten bei sich in der Zelle stehen hatten. Anfangs machte ich mir
deshalb noch Gedanken. Ich wusste schließlich, was passieren konnte, wenn zu viele Leute in ein Geheimnis eingeweiht waren. Doch zumindest in dieser Hinsicht funktionierte
der Zusammenhalt im Gefängnis vorbildlicher als in der freien Welt. Teilweise bildeten sich Schlangen vor den Telefonen. Die Häftlinge riefen ihre Verwandten und Freunde an, die sie seit Jahren nicht mehr gesprochen hatten.
Dadurch hatte ich bei den anderen Häftlingen bald einen ganz besonderen Status inne. Ich geriet nie in irgendwelche Auseinandersetzungen. Und sobald mich ein Häftling auch nur
schräg anschaute, waren sofort zwei andere zur Stelle, die dem Querulanten noch einmal deutlich machten, wie wichtig ich für sie war. Außerdem bekam ich bei der
Arbeitszuteilung nun die einfachsten Jobs von den leitenden Häftlingen zugeteilt. Die restliche Zeit im Gefängnis verlief dementsprechend unproblematisch und ruhig für mich.
Die dreißig bis fünfzig Leute, die nun alles über Blue Boxing, Looping, Cheese Box und den Bau eines modifizierten Radios zum Abhören der Funksprechanlagen der Direktion wussten, gaben ihr Wissen großzügig an die anderen weiter.
Der Tag meiner Entlassung war bei vielen Insassen im Kalender rot angestrichen. (...)
>> NEU: Lesen Sie die komplette Geschichte |
HACKERTALES als FREE DOWNLOAD
Das Kultbuch HACKERTALES wird in der 3. Auflage als freies Download auf no-copy.org zur Verfügung gestellt. >> HACKERTALES downloaden |
Themenbegriffe:
Cap'n Crunch, John Draper, Blue Boxing, Blue Box, blueboxing, Müsli, Pfeiffe, Pfeife, Whistle, Bosun, Line Braking, Frequenzen, Frequences, Capn Crunch, Captain Crunch, Story, Geschichte, 2600 Hertz, Hz, Homebrew Computer Club, Dual Tone Multi-Frequency, Doppentonmehrfrequenz (DTFM), Lompoc Prison Gefängnis San Francisco, Apple II, Steve Jobs, Steve Wozniak, EasyWriter, Easy Writer, Phreaker, Phone Hacker, Telefonhacker, Yippies, Youth International Party Line (YIPL), FBI, Joe Engressia (Joybubbles), kostenlos Telefonieren, Telefon hacken, Hacking, Hacker, Mafia
|
|

|
|
Jan Krömer / Evrim Sen NO COPY Die Welt der digitalen Raubkopie ISBN 3-608500-82-0 EUR 15,80
www.no-copy.org |
Jan Krömer / Evrim Sen NO COPY DER FILM
Die Geschichte der digitalen Raubkopie gibt es nun auch in Form eines spannenden Kurzfilms, mit Denis Moschitto als Sprecher
|
Denis Moschitto / Evrim Sen HACKERLAND Das Logbuch der Szene ISBN: 3-608500-29-4 EUR 12,80
www.hackerland.de |
|
|
|
|
|
Evrim Sen / Jan Krömer NO COPY
Die Welt der digitalen Raubkopie |
|
www.no-copy.org
ISBN: 3-608500-82-0 EUR 15,80
 |
|
NO COPY - Der Film |

|
Die Geschichte der digitalen Raubkopie gibt es nun auch in Form eines spannenden Kurzfilms, mit Denis Moschitto als
Sprecher |
|
|
|
|
|