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Kimble(...)

"Aber", flüstert er plötzlich geheimnisvoll und streckt dabei seinen Kopf nach vorne über den Tisch. "Das war das Beste, was mir passieren konnte!".
"Wieso das?", flüstere ich verwundert zurück.
"Als die Staatsanwaltschaft mich wegen Kreditkartenbetrugs anklagte", kichert er, "hatte ich ganz andere Sorgen als die paar Raubkopien, die man bei mir gefunden hatte. Dieser Rechtsanwalt, der Urheber vertrat, musste sich hinten anstellen. Weil der Anwalt in der selben Stadt wohnte wie ich, kam dann ein persönlicher Kontakt zustande. Er merkte sofort, dass ich eine Menge Insiderwissen besaß, und schlug mir einen Deal vor. Ich sollte ihm helfen, an weitere Mailboxen mit Raubkopien zu gelangen. Ich hatte Zugang zu fast allen Mailboxszenen in Deutschland. Und dafür hat er mich dann bezahlt. Später hat er mich sogar bei den Anklagen wegen Kreditkartenbetrugs unterstützt. Plötzlich war ich auf der legalen Seite und verdiente gutes Geld damit.«
»Was sagten Ihre Szenekumpels dazu?«
»Die fanden den Besuch der Polizei natürlich nicht so toll. Was soll's, ich glaube, fast jeder Systembetreiber, den ich kannte, wurde belangt.«
»Damals hat das ZDF einen Bericht über Sie gebracht. War das das erste Mal, dass Sie sich in der Öffentlichkeit gezeigt haben?«
»Kann schon sein. Plötzlich hatte ich im Fernsehen einen Auftritt nach dem anderen. Ich wurde zu einer Art Hackerberühmtheit!« Ich versuche seiner Prahlerei keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken. »Hat die Szene ihnen nicht gedroht?«
»Ach, die Szene. Die verstecken sich alle nur hinter ihren kleinen Computern und denken, sie seien die Größten. Ich wollte Geld machen und nicht mit dem Computer herumpöbeln, bis ich in irgendeiner Gosse lande. Die hatten mich außerdem in diesen Schlamassel hineingebracht. Also war es auch okay, dass ich sie später der Polizei ausgeliefert habe. Außerdem kommt jetzt das Beste: Die Staatsanwaltschaft hat das als eine Wiedergutmachung akzeptiert. Daher wurde in meinem Fall keine Anklage erhoben. Es hätte nicht besser kommen können.«
»Wie ging es weiter?«
»Also, da war so ein Typ, den ich auf Umwegen kannte. Der hat damals erzählt, er könne über das D1-Netz auf fremde Kosten telefonieren. Er kam zu mir, hat sich mit einem Laptop und seinein selbstgebasteltem Equipment zu mir gesetzt und ließ mich mit meinem Handy telefonieren.«
Jimbo fängt an in seinem Salat herumzustochern. Wortlos reiche ich ihm Essig und Öl. »Das war der berühmte GSM-Hack!«, sage ich und streiche wieder ein Fragezeichen von meinem Notizblock. »Exakt, das war der berühmte GSM-Hack.«
»Wie funktionierte das?«
»Also, ganz kurz und simpel. Im Prinzip sendet beispielsweise das D1-Handy ein verschlüsseltes Signal an die Zentrale. Mit Hilfe bestimmter Geräte kann man dieses Signal stören. Wenn dies geschieht, versucht das Handy das Signal erneut zu senden. Diesmal unverschlüsselt. jetzt kann man das Signal abfangen und speichern. Dann überträgt man diese Informationen auf eine selbst hergestellte D1-Karte und telefoniert damit.«Ich nicke und mache wieder ein großes Fragezeichen hinter »GSM-Hack«. »Das klingt sehr einfach«, lüge ich. »Kann ich das auch?«
»Vielleicht im nächsten Leben!«, antwortet er überheblich. »So einfach ist das nicht. Dieser Typ, der das geschafft hat, war ein Genie. Ich wollte ihm sogar Geld dafür zahlen, dass er mir das zeigt.« Das letzte Salatblatt wandert in Jimbos Mund. »Aber der Typ wollte gar kein Geld. Das war einer von den Leuten, die der Meinung waren, man müsse die Öffentlichkeit aufklären, so eine Art Cyber-Lucky-Luke. Ich habe ihm erzählt, dass ich alles publik machen würde. So dachte er, ich würde ihm helfen wollen. Dann gab er mir alle Informationen.«
»Was haben Sie mit den Informationen gemacht?«
»Die habe ich für teures Geld verkauft. Zunächst wollte ich wissen, ob der Chaos Computer Club etwas davon wusste. Ich ging auf der CeBIT Home zu einem Chaos-Typen und habe ihm davon erzählt. Der wollte aber nicht kooperieren. Das tun die nie mit Hackern, die nicht die gleichen Ideale vertreten wie sie.« Lächelnd deutet Jimbo auf sein Handgelenk, an dem nach einem kurzen Schütteln wieder die Uhr erscheint. »Erst später erfuhr ich dann, dass die nichts über die Schwachstellen von DeTeMobil wussten. Diese Penner liefen sofort zur Presse und gaben alle Informationen, die sie von mir hatten, an die Weltwoche weiter. Und die haben das am nächsten Tag gebracht. Prompt bekam ich einen Anruf von DeTeMobil. Von einem Herrn W., dem ich klar machte, dass der Chaos Club nichts damit zu tun hat.«
»Hätten Sie nicht besser sagen sollen, dass Sie nichts mit der Sache zu tun haben? Das wäre doch sicherer gewesen.«
»Ganz im Gegenteil. Ich habe dem Telekomiker erzählt, dass ich genau weiß, wie man deren System überlistet.«
»Warum hat er Sie nicht sofort der Polizei übergeben?«
»Du scheinst nicht zu verstehen, wie so etwas abläuft. Ich habe dem gesagt, entweder er kooperiert mit mir, oder er kann die ganze Geschichte nächste Woche im Spiegel lesen. So wäre ich auch noch dem Wunsch von Lucky Luke nachgekommen.«
»Und er ging darauf ein?«
Jimbo nimmt seine Gabel vom Tisch und spielt damit herum. »Und wie er darauf einging!«, sagt er und klopft mit der Gabel auf den Tisch. »Die hatten bereits viel Ansehen durch den Artikel in der Weltwoche verloren. Dabei waren da die technischen Mängel nicht einmal genau erläutert worden. Was glaubst Du, was die Telekorn gemacht hätte, wenn plötzlich auch noch der Beweis geliefert worden wäre? Die hätten einpacken können. Niemand hätte mehr D1-Handies gekauft.« (...)

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