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THE PARTY

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The Party

(...) Herning, der Platz, an dem sich die Szene trifft. Tausende von Computerfreaks aus allen Ländern des Erdballs pilgern jährlich zu diesem seltsamen Ort, um an dem größten aller Szene-Events teilzunehmen. Sonst ist Herning eine Stadt wie jede andere, obwohl jede andere Stadt das Recht hätte, sich beleidigt zu fühlen, mit diesem besiedelten Ackerland verglichen zu werden. Ich hatte keine Ahnung, was mich in dieser Stadt erwarten würde. Ich wäre jedoch vor Antritt der Reise bestimmt nicht auf die Idee gekommen, unterwegs auf die Frau meiner Träume zu treffen. »Egal redete ich mir ein. Wir waren schließlich nicht hier, um Frauen aufzureißen. Nein, wir hatten andere Pläne.
Mekka+Symposium
Ein Party-Bus, der dafür sorgen sollte, dass wir so schnell wie möglich in die Messehallen der Stadt befördert wurden, wartete schon vor dem Bahnhof. Ein Teenager stand davor und hielt ein Schild in seiner Rechten, auf dem mit Filzstift »Party« gekritzelt war.
»Party?«, fragte Brötchen lächelnd.
Der Teenager nickte. »Ei can si it auf deinem Pappschild«, rief Brötchen laut prustend und gab dem konfusen Teenager einen Klaps auf die Schulter.
Wir setzten uns auf zwei freie Plätze und verstauten unsere Sachen unter den Sitzen.
»Meinst du, das Mädchen aus dem Zug fährt auch auf die Party?«, fragte Brötchen.
»Auf eine Computer-Party? Keine Chance«, sagte ich und hoffte insgeheim, unrecht zu haben.

Drei-, vielleicht viertausend Menschen tummelten sich um die vielen Tische, auf denen Hunderte von Computern standen, um die Herninger Kraftwerke auf die härteste Probe des Jahres zu stellen. Es schien unmöglich, in der Menge bekannte Gesichter zu entdecken. Trotzdem schlug ich vor, einen kleinen Rundgang zu machen. Brötchen wollte aber lieber an seiner Matratze horchen und bat mich, ihn in einer Woche zu wecken. Er trabte schnurstracks in diejenige der insgesamt vier Hallen, die von den Party-Organisatoren zum Schlafplatz ernannt worden war, und ließ mich bei diesen durchgedrehten Computerfreaks zurück.
Obwohl ich mich auch nicht besonders fit fühlte, kam es mir nicht in den Sinn, jetzt den Schlafsack auszupacken. Dafür war hier alles viel zu spannend. Schlafen konnte ich, wenn ich umfiele. Und ich nahm mir fest vor, die Augen bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu schließen. Ich schlenderte fasziniert durch die Tischreihen und hielt bei jeder Kuriosität an, um sie genauer zu betrachten. Es gab einiges zu sehen: Kühlschränke, Elektroherde, Mikrowellen und Fernseher, auf denen meistens dänische Pornos liefen. Die Besucher der Party hatten an alles gedacht, um in dieser Wildnis zu überleben. An jeder Ecke standen irrwitzige Gestalten, die sich über seltsames, meist belangloses Zeug unterhielten. Hier und da klinkte ich mich in bereits laufende Gespräche ein, gab Kommentare wie »cool« oder »super« von mir und steuerte dann lächelnd auf das Ende der Halle zu, das noch immer nicht in Sicht war. Ein Typ mit langen fettigen Haaren stellte sich vor mich hin und schnitt mir den Weg ab.
»Hi«, sagte er. »Are you from Data Crew?«
Ich war ein wenig überrascht und hätte schon fast so etwas wie »Can yu si it in mei eis?« gefragt. Aber dann fiel mir ein, dass der Name Data Crew groß auf meinem T-Shirt gedruckt war, und ich nickte.
»I'm Bytelord«, gab der Zottelige von sich. »I'm the leader of Data Crew.«
Der Name war mir mehr als ein Begriff. Bytelord gehörte zu den fähigsten Programmierern der Szene, dementsprechend bekam ich nur ein ehrfürchtiges »Oh, cool, ähm, supercool« über die Lippen.
»Where are you from?«, fragte er mich.
»Germany?«, stammelte ich in der Hoffnung nichts Falsches gesagt zu haben.
»Ab«, lachte Bytelord, »da hättn wia bäide aha auch Doaitsch mittnander reden könän.« Er reichte mir die Hand. »Ih bin aus Wiehn.«
Ich schüttelte seine Hand, bis sie rot anzulaufen begann. »Heidelberg«, sagte ich, ich bin aus Heidelberg.«
Bytelord forderte mich auf, mit ihm an den Data Crew-Tisch zu gehen. Ich folgte willenlos. Einige schräge Gestalten hatten dort ihr Quartier aufgeschlagen.
Da war zum Beispiel der Grafiker Abstrus, ein krankhafter Kritzler, der es nicht für eine Minute schaffte, den Kugelschreiber aus der Hand zu legen. Seine Arme waren über und über mit Schriftzügen und Bildern bemalt, und er jammerte, weil er nun keinen Platz mehr an seinem Körper fand, um seiner Sucht freien Lauf zu lassen. Am Computer gegenüber saß Blickstarre, ein Programmierer aus einer unbekannten deutschen Gruppe. Um ihn herum versammelte sich eine Meute Schaulustiger, die herauszufinden versuchten, wie lange er die Augen geöffnet halten konnte. Und dann war da noch Bogus, den alle nur Bo nannten, ein mir direkt sympathischer ASCII-Artist, der mit Kommata, Bindestrichen und Punkten großartige Schriftzüge auf den Bildschirm zauberte. Ich stellte mich vor und schaute ihm fasziniert über die Schulter. Den Rücken durchstreckend, massierte sich Bo mit der Hand die Augen.
»Eh, ich kann nicht mehr«, gähnte er, »hab' jetzt keinen Bock weiterzumachen.«
Er schlug mir vor, mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen, und ich willigte ein. Auf dem Weg zur Kantine rannte mir Brötchen mit seinem Schlafsack über den Weg. Er war völlig aufgeregt und wollte mir unbedingt etwas zeigen. Bo und ich folgten ihm zu einem Tisch, an dem ungefähr zwanzig Leute mit großen Augen auf den Monitor eines Commodore 64 Computers starrten. Ich drängte mich durch die Menge, um zu erfahren, was denn nun so spannend an einem 64 Kilobyte-Rechner sein konnte. Mir fiel die Kinnlade runter. Auf dem Computer lief ein 3D-Ballerspiel. Und das sogar in einer ganz annehmbaren Grafik. Bo konnte es auch nicht fassen. Er schüttelte verstört den Kopf
»Als dieser Rechner in den Achtzigern auf den Markt kam, wusste man noch überhaupt nicht, dass es so etwas wie eine dritte Dimension gibt«, übertrieb Bo.
Die Programmierer dieses kleinen Wunders hatten mal so eben die Gesetze der Programmierkunst außer Kraft gesetzt und saßen halb schweigend, halb kichernd und vor allem völlig lässig um diese Schneckenkiste herum. Ein Mädchen, das plötzlich neben mir auftauchte, stupste mich an.
»Genial, was?«, sagte sie. »Ist aber nur halb so schön, wenn man weiß, dass es eine Animation ist.«

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