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Das Verhör

Ein weiteres Phänomen, das die Geheimdienste erst seit kurzem beschäftigte, war die Datenverschlüsselung privater Anwender. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, jede Verschlüsselungsmethode, die sie selbst nur mit hohem Aufwand oder gar nicht knacken konnten, zu einem großen Problem zu erklären. Da bei privaten Anwendern der Wunsch wuchs, Software aus Angst vor Hackerattacken sicher kodieren zu können, schlug der amerikanische Geheimdienst NSA eine Lösung vor, damit dies nicht unkontrolliert geschehe: Das »Key Recovery Projekt« sorgte dafür, dass jede Software, die in der Lage ist, hochgradig zu verschlüsseln, mit Hilfe implementierter Schlüssel trotzdem von den Geheimdiensten decodiert werden konnte. Als Andrew Fernandes, ein Computerexperte der Firma Cryptonym Corporation, einen NSA-Key in der Sicherheitssoftware von Microsoft entdeckt und dies der Presse mitgeteilt hatte, wurde endgültig allen klar: Die Geheimdienste hatten die Kontrolle über nahezu jedes Verschlüsselungsprogramm an sich gerissen.
Diese und andere Tatsachen, die Fabian während seines Hackertreibens ignorierte, wären dazu angetan gewesen, sich über die Gefahren oder vielleicht sogar die wirkliche Motivation seines Handelns bewusst zu werden. Leute wie Baxter hätten ihn sicherlich auf einige Pkws aufmerksam machen können, die ständig in der Nähe seiner Wohnung parkten. Dann hätte er sich vielleicht Gedanken über den Inhalt der Kofferräume machen können, in denen womöglich hochtechnologische Fernabhörgeräte ihren Platz fanden, die das Krabbeln einer Kakerlake durch dickste Wände hindurch gezielt aufzeichneten. Dass Geheimdienste durchaus in der Lage waren, die Wellen, die ein Computermonitor aussendet, über weite Entfernungen einzufangen, um sie wieder in ein Bild umzuwandeln, davon hatte Fabian gehört. jemand wie Baxter hätte ihm nahe bringen können, dass vielleicht gerade ein solches Gerät sein Monitorbild überwachte.
Bei der Suchmaschine Yahoo gab es unter dem Begriff TFA-FAQ nur einen einzigen Treffer. Es war eine israelische Website in englischer Sprache mit verwirrend vielen Unterverzeichnissen. Den Informationen zufolge war diese erst vor kurzem wieder online gegangen. Sie hinterließ bei Fabian den Eindruck, als sei er der erste Benutzer gewesen, der zugegriffen hatte. Auf der Website gelangte man erst nach mehreren Barrieren zum eigentlichen Download-File. Jeder Klick auf einen Link öffnete zwei oder drei neue Browserfenster, die sich beim Schließen automatisch wieder öffneten. Der Download dauerte aufgrund der schlechten Verbindung zum Server mehr als eine Stunde, die Fabian damit verbrachte, aufgeregt im Zimmer auf und ab zu gehen.
Als er die Datei auf seinem Rechner installierte und den Ordner mit dem Namen TFA öffnete, fand er neben einer ausführlichen Anleitung und dem eigentlichen Programm eine Liste mit dreißig Zugangsnummern zu verschiedenen Universitäten. Laut Anleitung konnte man das Programm von jeder der angegebenen Universitäten aus starten. Die Anleitung beschrieb jeden notwendigen Schritt für eine erfolgreiche Attacke. Es war kinderleicht, das Script auf einem Server zu installieren und zu starten. Die ganze Sache machte Fabian ein wenig stutzig. Schließlich hätte damit jeder, der diese Seite aufrief, solche Versuche ausführen können. Fabian schüttelte den Kopf Ein so geniales und simples Script hätte längst die Runde machen müssen und alle angegebenen Daten wären somit wieder ungültig geworden.
Er versuchte es trotzdem und überprüfte vorerst nur die Zugangsnummern der Universitäten. Seine Entdeckung war verblüffend. Nicht allein, dass alle Zugangsdaten gültig waren, die Zugänge erlaubten ihm sogar die Änderung des Passworts. Mit den von ihm geänderten Passwörtern waren es nun dreißig Zugangsnummern, auf die nur noch er Zugriff hatte. Die Universitäten lagen zu seinem Erstaunen in verschiedenen Ländern. Afrika, USA, England, Deutschland, Japan, Finnland, Australien und so weiter. Worauf Fabian da gestoßen war, war der Traum eines jeden Hackers.

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