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The Party

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Teil 3:

Ein Rumoren in der Schlafhalle riss mich aus meinen ägyptischen Träumen. Exhorder, der stinkbesoffen und in Unterhosen umhertorkelte, brüllte laut um sich. Jeder in der Halle war mittlerweile davon wachgeworden, und die ersten versuchten zu klären, wo denn das Problem lag. Weil ich neugierig und vor allem schon wach war, stand ich auf und ging zu der Gruppe, die nicht weit von mir entfernt stand. Irgendjemand hatte sich anscheinend einen Spaß erlaubt und Exhorders Hose geklaut. Der war nicht sonderlich begeistert davon, die letzten Stunden der Party in Unterwäsche verbringen zu müssen. Obwohl niemand so richtig glauben konnte, dass jemand Exhorders Hose auch nur hätte anschauen, geschweige denn anfassen wollen, halfen ihm ein paar Leute bei der Suche nach seiner verschollenen Jeans. Wahrscheinlich hatte er sich über Nacht in die Hose gemacht und versuchte jetzt, seine Inkontinenz hinter einem vorgetäuschten Diebstahl zu verstecken. Als ich wieder zu unserem Platz kam, hatte sich Brötchen quer über beide Schlafsäcke gelegt. Alle Versuche, ihn zu wecken oder einfach nur wegzuzerren scheiterten. Mein kleines Schlaf-Intermezzo war also beendet, und ich ging wieder zurück ins Zentrum des Geschehens. Auf dem Weg dorthin stolperte ich beinah über einen Schlafsack, der wie aus dein Nichts vor meinen Füßen auftauchte. Die endlos langen dunkelbraunen Haare hätten mir schon vorher auffallen müssen. In dem Schlafsack lag bis zum Kopf eingemummt Cleopatra, die sanft vor sich hinschlummerte. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf: umarmen, küssen, heiraten. Keiner davon erschien mir im Moment passend. Ich setzte mich hin und beobachtete sie, lauschte ihrem Atem und versuchte, ihren Duft auszumachen. Ich hätte sie nur zu gern geweckt, war aber einfach zu feige. Nach einer Weile zückte ich einen Kugelschreiber, schrieb ihr meine Telefonnummer auf und steckte sie ihr in den Schlafsack. Wenn das Schicksal es wollte, würde sie anrufen.


Brötchen packte seine Klamotten zusammen. Wie immer musste ich auf ihn warten, denn mein Gepäck stand schon seit Stunden bereit. Zwar fand ich es ein wenig schade, dass nun alles vorbei sein sollte, konnte aber durchaus die Vorzüge sehen, bald wieder in einem richtigen Bett zu schlafen. Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden, tauschten Adressen aus und hielten noch ein letztes Schwätzchen.
»Was machst du, wenn du wieder in Köln bist?«, fragte mich Mo, mit dessen Augenringen man Hula-Hup hätte spielen können. »Schlafen«, erwiderte ich gähnend.
Mo lachte. »Und, bist du nächstes Jahr wieder hier?«
»Wenn ich bis dahin wieder wach bin, warum nicht.«
Wir gaben uns die Hand und versprachen, in Kontakt zu bleiben. Auf dem Weg zum Bahnhof hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, eine Melodie zu hören und versuchte herauszufinden, woher sie kommen könnte. Ich vermutete, dass es nur an meiner Müdigkeit liegen konnte und wollte die Melodie einordnen, indem ich sie Brötchen vorsummte.
»Bubble Bobble«, sagte er. Das ist aus dem Compurerspiel.
Ich erinnerte mich, natürlich, Bubble Bobble war ein Spielhallen-Klassiker. Ich wunderte mich nur, warum mir ausgerechnet diese Melodie nicht mehr aus dem Kopfgehen wollte. Die ganze Zugfahrt über war ich damit beschäftigt, weitere Melodien einzuordnen, die mein Gehirn in einem Anfall von Müdigkeit zum Besten gab. Das war besser als jeder Walkman. Ich war gerade dabei »Pump Up The Jam« von Technotronic zu hören, als Cleopatra in unser Abteil geschneit kam. Sie hielt mir einen Zettel unter die Nase.
»Du hast was vergessen«, sagte sie.
»Was ist das?«, fragte ich in der Befürchtung, meine Telefonnummer von ihr wiederzubekommen.
»Das ist meine«, sagte sie und ging lächelnd aus dem Abteil. Mein Körper produzierte tonnenweise Endorphine. In diesem Moment hätte ich Lambada tanzen können. Brötchen schaute mich etwas verärgert an.
»Was hast du, was ich nicht habe«, grummelte er.
Ich grinste bis über beide Ohren.
»Nicht viel«, gab ich zu und hielt stolz den Zettel in die Höhe. »Nur ihre Telefonnummer.«

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