Teil 2:Currywurst mit Fritten für Fabian und ein halbes Hähnchen mit
Fritten für Tobi. Ein Fernseher, einige verschmutzte Tische und zwei Spielautomaten ließen diese deutsch-griechische Frittenbude wie aus dem Bilderbuch erscheinen. Hier waren die beiden Freunde vor einigen Monaten schon einmal gewesen,
und obwohl die Currywurst kaum anders schmeckte als in jeder anderen Frittenbude der Stadt, verschlug es sie wieder dorthin. Wenn Tobi redete, blickte er Fabian nie direkt ins Gesicht. Er schien auf alle Fragen die passende Antwort zu
haben. Fabian nannte ihn deshalb den »Allrounder«. Auf Bemerkungen ging er nie ein. Es schien so, als würde er das, was Fabian sagte, erst einmal in seinem Zwischenspeicher lagern, um sich später damit zu beschäftigen. Mit seinem langen
schwarzen Mantel und dem blauen Hemd machte Tobi eher den Eindruck eines Versicherungsvertreters. Der sauber gezogene Scheitel unterstrich dieses Erscheinungsbild. Nur die ungeputzte, alte Brille, die seit seiner Jugend dieselbe
geblieben zu sein schien, ließ eine Art Gleichgültigkeit gegenüber seinem Aussehen vermuten. Für Tobis neuen Scanner hatte Fabian an diesem Tag die passende Software aus dem Netz gezogen. Es gab doch Kopien, warum also unnötig Geld
für ein Original ausgeben, hatte er ihm eingeredet. Tobi nahm das Angebot gern an. Er steckte die CD in seinen Mantel, der achtlos über der Stuhllehne hing.
Wenn sie sich trafen, redeten sie oft über politische und kulturelle
Themen. Dies unterschied Tobi von anderen Computerfreaks in Fabians Umfeld. Er war nicht bloß ein Programmierer, der nichts anderes kannte als seine Sourcecodes. Sein Allgemeinwissen ließ vermuten, dass er über ein beträchtliches Maß an
Bildung verfügte. Als Fabian einmal der Name eines sehr bekannten Pantomimen nicht einfallen wollte, nannte Tobi neben Marcel Marceau, nach dem Fabian gesucht hatte, noch fünf weitere. Derartige Unterhaltungen beeindruckten Fabian. Dass
Tobi als Verkäufer auf Provisionsbasis in einem Elektroladen arbeitete, wollte ihm nicht in den Kopf gehen. Die Arbeit mache ihm nun mal Spaß, erwähnte Tobi immer wieder, wenn Fabian ungläubig den Kopf schüttelte. Wie sich Leute an
Weihnachten um Videorecorder und Satellitenreceiver stritten, finde er immer wieder lustig. Vom Mord an Kennedy über Korruptionsfälle im eigenen Staat bis hin zur totalen Verblödung durch den TV-Alltag, all das waren anscheinend amüsante
Themen für Tobi. Sie zauberten ihm immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Er schob sich eine in Ketchup und Mayonnaise ertränkte Pommes in den Mund und begann glücklich darauf zu kauen. »Wie schön, dass so ein bisschen Kartoffel einem
Menschen soviel Freude bereiten kann«, dachte sich Fabian bei diesem Anblick. Eine Nachrichtensendung im Fernseher der Imbissbude berichtete über irgendwelche Kriege, irgendwo gab es wieder Schießereien. Schreie von Frauen und
Kindern, die weinend durch zerstörte Dörfer rannten, hallten aus den Boxen des kleinen Fernsehers. »Warum gibt es eigentlich immer Krieg?«, fragte Fabian, weiter auf den Fernseher blickend. »Tja«, sagte Tobi, während er die nächste
Fritte in den Mund schob. Er war in Gedanken nicht bei Fabians Äußerungen. Die »Fernmelde-Überwachungs-Verordnung«, auch FÜV genannt, unterzeichnet von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und dem Bundesminister für Post und Telekommunikation
Wolfgang Bötsch, schwirrte ihm im Kopf herum. Gedanken, die er ungern mit Fabian teilen wollte. Fabian merkte, dass Tobi die Frage langweilte. »Habe ich dir schon erzählt, dass wir an einem neuen Script arbeiten?«, wechselte Fabian
das Thema. »Damit können wir Email-Bomben verschicken. Tinman, der Programmierer, arbeitet gerade daran.« Tobis Aufmerksamkeit war noch immer auf seinen Teller gerichtet. Dann, mit einem anhaltenden Lächeln auf seinen Lippen, schaute
er in der Imbissbude umher. Es war nicht zu erkennen, was ihn so amüsierte: Fabians Aussage oder die Plastikblumen neben den Spielautomaten. »Gibt es denn nicht unzählige Scripts im Internet, die man einfach so benutzen kann?«, fragte
Tobi desinteressiert. »Ja, schon. Das sagt ja jeder. Aber nenn mir mal eine Adresse, wo ich an so etwas drankommen kann.« »Ich denke, du kommst aus der Szene und kannst alles besorgen.« Obwohl Tobi mit der beste Programmierer war,
den Fabian kannte, war er nicht aus der Szene. Daher konnte er nicht wissen, dass solche Scripts streng gehütete Geheimnisse waren. Und wenn man mal auf ein solches Script gestoßen war, brauchte man selbst als Netzwerkprofi viel Zeit und
Geduld, um das Ding überhaupt zum Laufen zu bringen. Die Programmierer solcher War-Scripts hielten oftmals nicht besonders viel von Benutzerfreundlichkeit. Das war auch der Grund, warum man Scripts unbedingt selbst programmieren sollte,
was jedoch seine Zeit brauchte. Bei dem Gedanken, dass Tinman an einem Script programmierte, verlor Fabian schnell wieder die Hoffnung, jemals ein Script mit den von ihm gewünschten Möglichkeiten in den Händen zu halten. »Wahrscheinlich
wird das Ding nie fertig«, dachte er sich. »Ich habe letztens mal was gelesen. Da gibt es ein Programm, das nennt sich Tribe Flood Attack.« »Warte mal…«, sagte Tobi und kaute weiter. Dann schaute er sich um. Er ließ sich Zeit. Fabian
wartete. »Hör mal, nächste Woche bekomme ich einige DVDs aus Japan«, sagte er schließlich. »Hast du nicht Lust, nächsten Samstag zum Manga-Abend zu kommen?« Tobis Manga-Abende interessierten Fabian nicht im geringsten. Obwohl Fabian
schon mehrmals versucht hatte das indirekt anzudeuten, schien Tobi es immer wieder zu vergessen. »Klar, warum nicht«, antwortete Fabian, um sein Desinteresse nicht zu offensichtlich werden zu lassen. »Du hast eben was von Tribe Flood
Attack gesagt, was meintest du damit?« »Ach so, ja genau«, sagte Tobi beiläufig. Dann atmete er schwer aus, so als täte es ihm Leid, das Thema überhaupt angeschnitten zu haben. »Da gibt es eine Website. Den Namen habe ich aber
vergessen. Such doch mal im Internet nach dem Namen TFA-FAQ.« »T-F-A-F-A-Q«, buchstabierte Fabian, um auf Nummer sicher zu gehen. »Jaja, genau«, sagte Tobi. Darin schluckte er den letzten Bissen seines Hähnchens hinunter und strich
sich mit einer Serviette über den Mund. »Das ist schon lustig«, fuhr er fort.« Diese Mangas, die ich bestelle, bekommt man hier gar nicht. Das Paket müsste morgen ankommen. Ich sollte dir wirklich mal einen Manga in japanischer
Originalfassung ausleihen.« »Mach das«, sagte Fabian. Das einzige, was ihn jetzt noch interessierte, waren drei Wörter: Tribe Flood Attack. »Man muss sich erst einmal einige Dinge klarmachen«, sagt der Staatsanwalt und fährt fort:
»Draußen ist es üblich, eine rudimentäre Aussage zu machen, mir der man die Hälfte der Wahrheit unter den Teppich kehrt. So etwas gewöhnt man sich in der Schule oder bei den Eltern leicht an. Nur müssen wir diese Realität ganz klar von
unserer hier unterscheiden. Gerade weil ich diese Problematik kenne und die Umstellung auch für Sie etwas ungewohnt sein dürfte, frage ich oft nach. Ich hoffe, Sie verstehen das.« Ich verstehe nur zu gut. Er sagt mir nichts weiter, als
dass ich hier bei der Staatsanwaltschaft und nicht bei meinen Kumpels bin. So zumindest glaubt er sicher zu gehen, dass ich mich nicht in Lügen verstricke. Ein weiteres Phänomen, das die Geheimdienste erst seit kurzem beschäftigte,
war die Datenverschlüsselung privater Anwender. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, jede Verschlüsselungsmethode, die sie selbst nur mit hohem Aufwand oder gar nicht knacken konnten, zu einen großen Problem zu erklären. Da bei
privaten Anwendern der Wunsch wuchs, Software aus Angst vor Hackerattacken sicher kodieren zu können, schlug der amerikanische Geheimdienst NSA eine Lösung vor, damit dies nicht unkontrolliert geschehe: Das »Key Recovery Project« sorgte
dafür, dass jede Software, die in der Lage ist, hochgradig zu verschlüsseln, mit Hilfe implementierter Schlüssel trotzdem von den Geheimdiensten dekodiert werden konnte. Als Andrew Fernandes, ein Computerexperte der Firma Cryptonym
Corporation, einen NSA-Key in der Sicherheitssoftware von Microsoft entdeckt und dies der Presse mitgeteilt hatte, wurde endgültig allen klar: Die Geheimdienste hatten die Kontrolle über nahezu jedes Verschlüsselungsprogramm an sich
gerissen. Diese und andere Tatsachen, die Fabian während seines Hackertreibens ignorierte, wären dazu angetan gewesen, sich über die Gefahren oder vielleicht sogar die wirkliche Motivation seines Handelns bewusst zu werden. Leute wie
Baxter hätten ihn sicherlich auf einige PKWs aufmerksam machen können, die ständig in der Nähe seiner Wohnung parkten. Dann hätte er sich vielleicht Gedanken über den Inhalt der Kofferräume machen können, in denen womöglich
hochtechnologische Fernabhörgeräte ihren Platz fanden, die selbst das Krabbeln einer Motte durch dickste Wände hindurch gezielt aufzeichneten. Dass Geheimdienste durchaus in der Lage waren, die Wellen, die ein Computermonitor aussendet,
über weite Entfernungen einzufangen, um sie wieder in ein Bild umzuwandeln, davon hatte Fabian gehört. Jemand wie Baxter hätte ihm nahe bringen können, dass vielleicht gerade ein solches Gerät sein Monitorbild überwachte. Bei der
Suchmaschine Yahoo gab es unter dem Begriff TFA-FAQ nur einen einzigen Treffer. Es war eine israelische Website in englischer Sprache mit verwirrend vielen Unterverzeichnissen. Den Informationen zufolge war diese erst vor kurzem wieder
online gegangen. Auf der Website gelangte man erst nach mehreren Barrieren zum eigentlichen Download-File. Jeder Klick auf einen Link öffnete zwei oder drei neue Browserfenster, die sich beim Schließen automatisch wieder öffneten, wie
auf einer unseriösen Werbe-Website. Der Download dauerte aufgrund der schlechten Verbindung zum Server mehr als eine Stunde, die Fabian damit verbrachte, aufgeregt im Zimmer auf und ab zu gehen. Als er die Datei auf seinem Rechner
installierte und den Ordner mit dein Namen TFA öffnete, fand er neben einer ausführlichen Anleitung und dem eigentlichen Programm eine Liste mit dreißig Zugangsnummern zu verschiedenen Universitäten. Laut Anleitung konnte man das
Programm von jeder der angegebenen Universitäten aus starten. Die Anleitung beschrieb jeden notwendigen Schritt für eine erfolgreiche Attacke. Es war kinderleicht, das Script auf einem Server zu installieren und zu starten. Die ganze
Sache machte Fabian ein wenig stutzig. Schließlich hätte damit jeder, der diese Seite aufrief, solche Versuche ausführen können. Fabian schüttelte den Kopf. Ein so geniales und simples Script hätte längst die Runde machen müssen und alle
angegebenen Daten wären somit wieder ungültig geworden. Er versuchte es trotzdem und überprüfte vorerst nur die Zugangsdaten der Universitäten. Seine Entdeckung war verblüffend. Nicht allein, dass alle Zugangsdaten gültig waren, die
Zugänge erlaubten ihm sogar die Änderung des Passworts. Mit den von ihm geänderten Passwörtern waren es nun dreißig Zugangsnummern, auf die nur noch er Zugriff hatte. Die Universitäten lagen zu seinem Erstaunen in verschiedenen Ländern.
Afrika, USA, England, Deutschland, Japan, Finnland, Australien und so weiter. Worauf Fabian da gestoßen war, war der Traum eines jeden Hackers. Als er Tobi anrief, um ihm von seiner Entdeckung zu erzählen, war dieser gerade mit etwas
anderem beschäftigt und schien sich nicht allzu sehr dafür zu interessieren. Fabian fragte ihn, woher er die Information habe, und Tobt erzählte etwas von einem Forum, in dem man sich größtenteils über die Möglichkeiten der Dekodierung
von Pay-TV-Sendern unterhielt. Damit wechselte er auch schon das Thema und erzählte Fabian fröhlich, wie einfach es sei, mit dem nötigen technischen Kram japanische Programme unverschlüsselt zu empfangen. Auf Fabians Frage, ob er sich
überhaupt näher mit TFA beschäftigt habe, entgegnete er nur knapp »Nö!« Dann kam er wieder auf japanische Zeichentrickfilme zu sprechen. Fabian hätte ihm vom anstehenden Weltuntergang berichten können und Tobi hätte nach einer flüchtigen
Bemerkung das Thema gewechselt.
»Das war dumm. Ich habe die Folgen nicht voraussehen können«, gebe ich ehrlich zu. »Warum haben Sie es dann getan, wenn Sie sich keinen Erfolg davon versprochen haben?« Dieses Gegenargument war
vorauszusehen. »Schwer zu sagen. Ich war aufgeregt und unter Spannung. Ich glaube, ich habe gar nicht richtig wahrgenommen, was ich da tat.« Ich gestehe mir selbst ein, dass das alles recht albern und unglaubwürdig klingt. Zu
meiner Überraschung ist der Staatsanwalt ganz anderer Meinung und benutzt meine Worte, um sein Bild von mir zu vervollständigen. »Sie waren also in einer Art unhaltbarem Zustand. Eine Art Sucht, von der Sie sich nicht mehr losreißen
konnten«, sagt er verständnisvoll. »Wissen Sie«, fährt er fort, »vielleicht sollte man Ihnen mal andere Aufgaben zuteilen, damit Sie nicht auf so dumme Gedanken kommen. Können Sie sich vorstellen, auch mal konstruktiv mit Ihrem Wissen
umzugehen? Was meinen Sie?« Ich zucke mit den achseln.
Fabian las die TFA-Anleitung gerade ein drittes Mal, als das Telefon klingelte. Er nahm den Hörer ab. Es war Tobi. Er rief Fabian sehr selten an. »Hör, mal ...«, fing er
an, das Scanner-Programm, das du mir gegeben hast, ist nur eine Demoversion, »Du musst die Seriennummer eingeben, dann wird sie zu Vollversion«, sagte Fabian. Ein »Hm« kroch durch den Hörer. Im Hintergrund war das Zischen des
CD-Laufwerks zu hören. »Ich kann da nichts finden.« »Sorry, ich muss vergessen haben, es auf die CD zu brennen.« Fabian kramte auf seiner Festplane. »Übrigens, dieses TFA. von denn ich dir erzählt habe, ist unglaublich«, sagte er
dann. »Man kann kompletten IP-Adressen Datenmüll zusenden. Man könnte zum Beispiel einen ganzen Provider damit lahm legen« »Nun, die meisten Backbone-Server können gewöhnlich solchen Datenmüll leicht schlucken. Ich denke, damit
kannst du höchstens ein paar kleine Anwender ärgern«, sagte Tobi wieder einmal in beiläufigem Tonfall. »Doch«, sagte Fabian überzeugt. »Ich gebe dir das Ding mal, schau es dir an. « »Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass man so
etwas von mehreren Quellen gleichzeitig startet. So würde ich das jedenfalls machen.« Durch das Telefon konnte man deutlich hören, dass Tobi mit etwas anderem beschäftigt war, während er sprach. »Wenn man wirklich jemandem schaden
möchte, dann den großen Anbietern wie Yahoo, eBay oder ähnlichen. Die trifft es härter, nehme ich an. « »Soll ich dir das Programm mal gehen?«, versuchte Fabian ihn zu überzeugen. »Nee, lass mal. Ich habe keine Zeit für sowas. Am
Samstag haben wir Rollenspielabend, deshalb möchte ich ein paar Grafiken scannen, wenn ich heute überhaupt noch dazu komme.« Tobis müde Reaktion wunderte Fabian nicht. Er hatte weder mit Hackern noch mit Tools wie TFA zu tun. Sein
ohnehin schon mäßiges Interesse an diesem Thema war nur theoretisch. Er hatte anscheinend keine wirkliche Vorstellung davon, wie das Programm funktionierte und was es anrichten konnte. Fabian fand nun endlich die Seriennummer auf
seiner Festplatte und gab sie durch. Dankend beendete Tobi das Gespräch. Was Tobi wirklich beschäftigte, davon hatte Fabian keine Ahnung. Er dachte auch nicht darüber nach. Falls Tobi sich Gedanken über die Probleme der Geheimdienste
machte, wäre es Fabian weder an diesem noch an einem anderen Tag aufgefallen. Es war mittlerweile Tatsache, dass Geheimdienste völlig legal sämtliche Kommunikationsleitungen abhörten und problemlos Geheimcodes knacken konnten. Doch ein
weiteres Problem, das im Laufe der Zeit zutage gekommen war, war selbst für die Geheimdienste nicht vorauszusehen gewesen: die Anonymität im Internet. Zwar sprachen Themen wie Jugendschutz für ein kontrollierbares Internet, dennoch
fehlte ein grundlegender Baustein, um die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit einer vollstaatlichen Kontrolle zu überzeugen. Um anonyme Hackerattacken auf die computerisierte Infrastruktur zu verhindern, hatte Bill Clinton im Jahre 1998
umgerechnet 2,3 Milliarden US-Dollar vom Haushaltsbudget zur Verfügung gestellt. Um diese Ausgaben zu rechtfertigen, wäre nichts überzeugender gewesen als der Angriff eines Hackers. »Scan du mal deine Rollenspielhildchen und guck
Mangas«, flüsterte Fabian hämisch vor sich hin. Tobis Trägheit spornte ihn nur noch mehr an, seine Ideen in die Tat umzusetzen. Yahoo, eBay, Amazon, Hotmail und Lycos würden vor ihm in die Knie gehen. Er würde sie alle zerstören. Er
steckte nun all seine Energie in dieses Vorhaben hinein. Er würde die Attacke von dreißig Quellen gleichzeitig starten. Das war eine gewaltige Idee. »Meine Idee«, dachte Fabian und hob seine Faust in Siegerpose.
»Als ich mitbekam,
dass der Junge, mit dem ich vor kurzem noch zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen war, später zu einem Privatsender lief und sich über meine angeblich harten Maßnahmen beschwerte, hörte bei mir der Spaß auf«, erzählt der
Staatsanwalt in einem Ton, als würde er die Geschichte gerade seinem Kollegen bei einem Glas Bier erzählen. »Was haben Sie gemacht?«, frage ich zögerlich und in der Ungewissheit, ob ich auf den Exkurs eingehen soll. »Nun, ich habe
ihn hergerufen und gesagt, dass ich Besseres zu tun hätte, als Telefonate von Sensationsjägern zu beantworten.« »Das verstehe ich« »Sie müssen sich das mal vorstellen. Ich habe vorgeschlagen, er solle sich bei der Dame, der durch
Gewaltandrohung einen gewaltigen Schrecken eingejagt hatte, höflichst entschuldigen und ihr einen Dienst erweisen. Die Dame war schon über siebzig. Er sollte für sie einkaufen und vielleicht auch mal die Wohnung saubermachen, mehr nicht.
Mit dem Einverständnis der Dame selbstverständlich.« »Das wollte er nicht?«, antworte ich mit einer Verwunderung, um auch gleichzeitig zu signalisieren, dass zumindest ich zu derartigen Kompromissen bereit wäre. Ich würde mich bei
allen entschuldigen und hier und da anfallende Arbeiten erledigen. Falls es die Möglichkeit eines Kompromisses in meinem Fall überhaupt gab. »Was ist dann passiert?«, frage ich. »Nun, er hatte sich entschuldigt, und die Dame war
bereit, die Entschuldigung zu akzeptieren. Aber diese Pressegeschichten ziehen bei mir nicht. Wenn jemand glaubt, er müsse sich woanders ausheulen, dann kann ich auch durchladen und schießen.« Der Staatsanwalt macht eine kurze Pause.
»Nun, er hat das eingesehen und ich habe keine Anklage erhoben.« Jetzt schaut er mir zum ersten Mal direkt in die Augen, und ich habe das Gefühl, dass sich in dieser ernsten Miene eine Art Lächeln versteckt. |
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