Blue Boxing [...] Durch
diese Geschichte erkannte die Szene, daß es möglich ist, über Tonsignale in die Funktionen des Zentralcomputers der Telefonvermittlung einzugreifen und den Gebührenzähler zu stoppen.
Um die Signale zur
Manipulation des Vermittlungscomputers zu ermitteln, begaben sich Hacker daran, durch endloses Ausprobieren
verschiedenster, oft selbstgebastelter Geräte (Dialer
), brauchbare Pfeiftöne zu erzeugen. Ein besonders cleverer Hacker fand jedoch eine bessere und vor allem
einfachere Lösung. Er schrieb die Telefongesellschaft an und bat höflich um die Steuersignale. Die damals noch völlig unvoreingenommene Telefongesellschaft war so freundlich und
übersandte dem netten und interessierten Kunden die Liste völlig kostenlos und unverbindlich. Immer mehr Szenemitglieder wurden mit der Zeit eingeweiht und nutzten
diese Technik, auch um privat kostenfrei zu telefonieren. Damit jedes Szenemitglied in den Genuß des kostenfreien Telefonierens kommen
konnte, wurde eine Liste mit Steuersignalen und den dazugehörigen Programmen zur Erzeugung der Töne in den Szenemailboxen verteilt. Eine
große Welle des Blue Boxings brach über die Telefongesellschaften herein. Szenemitglieder aus aller Welt nutzten diese Methode, um kostenfrei zu
telefonieren. Das Blue Boxing entwickelte sich zu einer gängigen und für die Szene unverzichtbaren Technik. Den Telefongesellschaften entstanden
innerhalb kürzester Zeit Verluste von Hunderten Millionen Dollar. Das Problem, mit dem sie sich nun auseinanderzusetzen hatten, war für sie völlig neu.
Schnell wurde den Telefongesellschaften klar, daß diesem Zustand ein Ende bereitet werden mußte. Die drei größten amerikanischen
Unternehmen AT&T, MCI und Sprint suchten mit Hilfe von Fachleuten nach Wegen, die Szene am Mißbrauch ihrer Steuersignale zu hindern. Der
erste Schritt bestand darin, die Steuersignale in unregelmäßigen Abständen zu ändern und geheimzuhalten. Die Phreaker konnten nun
nicht mehr die alten Signallisten verwenden und standen vor einem neuen Problem. Als Antwort der Szene wurden Programme entwickelt, die die aktuellen
Signale ausfindig machen sollten. Es ging sogar so weit, daß Geräte mit eigenen Chips hergestellt wurden, die speziell zum Auskundschaften der
Signale dienten. Diese Geräte, Blue Boxes genannt, wurden direkt ans Telefon angeschlossen. Sobald die Bauanleitungen in der Szene verteilt
waren, machten sich die Phreaker auf die Jagd nach den Signalen. Jedesmal, wenn die Telefongesellschaften nun die Signale änderten,
durchkämmten Tausende von Phreakern die Telefonleitungen nach akustischen Codes.

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Das führte zu einer immensen Belastung der Telefonleitungen, wodurch es zu ständigen
Ausfällen in den zentralen Vermittlungsstellen kam. Die Programme wurden in der Szene so schnell weiterentwickelt, daß das Auskundschaften der Signale schon nach kurzer
Zeit kein allzugroßes Problem mehr darstellte. Nach jeder Steuersignaländerung dauerte es nur wenige Stunden, bis eine neue Liste mit den
aktuellen Signalen in den Szenemailboxen zu finden war. Daraufhin mußten die Telefongesellschaften einsehen, daß jede technische Blockade
nur eine neue Herausforderung für die Szene darstellen würde. in den USA schlugen die Unternehmen als erste andere Wege zur Bekämpfung des illegalen Telefonierens ein.
Als äußerst wirksam erwies es sich, die illegal belegten Leitungen gemeinsam mit der Polizei zurückzuverfolgen. Da das FBI bis heute keine
Befugnis hat, strafrechtliche Schritte in Deutschland einzuleiten, war das Blue Boxing von hier aus noch möglich, als in Amerika bereits einigen
Phreakern schwere Strafen drohten. Die staatliche deutsche Telefongesellschaften damals noch Deutsche Bundespost, wollte von all
dem solange nichts wissen, bis ihr von amerikanischer Seite massiv gedroht wurde. Die amerikanischen Telefongesellschaften stellten damals
ein Ultimatum: innerhalb kürzester Zeit mußte [...]
NO COPY - DER FILM |

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DEUTSCH |
ENGLISH |
Die Geschichte der digitalen Raubkopie mit Denis Moschitto als Sprecher |
The history of digital piracy in a short movie. With the famous german actor Denis Moschitto as speaker. |
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NEU |
Jan Krömer / Evrim Sen NO COPY Die Welt der digitalen RaubkopieISBN: 3-608500-82-0 Tropen Verlag Berlin EUR 15,80

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