Calling Cards Der Sinn und
Zweck einer Calling Card besteht darin, bargeldloses Telefonieren von jedem Punkt der Welt aus möglich zu machen, und zwar überall zum gleichen Tarif. Dies ist besonders für
Unternehmen attraktiv, die Mitarbeiter im Ausland beschäftigen. Anders als in Deutschland ist in Amerika der Calling-Card- Service, der von den Telefongesellschaften AT&T und MCI
angeboten wird, üblich. Zwar bietet die Telekom mit ihrer T-Card einen ähnlichen Service an, doch wurde dieser von deutschen Firmen noch nicht richtig angenommen. Zum Telefonieren
mit einer Calling Card ist die Karte selbst nicht nötig. Man braucht nur die vierzehnstellige Nummer der Karte zu wissen. Ein Mitarbeiter eines amerikanischen Unternehmens in
Deutschland kann mit der Nummer seiner Calling Card sämtliche Gespräche, seien sie beruflich oder privat, von jedem Telefon aus bargeldlos führen. Dazu muß er nur den entsprechenden
kostenlosen Calling-Card-Service (in Deutschland: 0800/2255288) anrufen und die Nummer seiner Karte durchgeben. Der Operator oder ein Computer verbindet den Kunden dann mit dem
gewünschten Teilnehmer. Die Telefongebühren werden automatisch von seinem Konto abgebucht.

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Irgendwann fiel einem Phreaker auf, daß die vierzehnstellige Nummer einer Calling Card nach
einem bestimmten Algorithmus aufgebaut ist. Durch diese Entdeckung war es den Phreakern möglich, eigene Calling Cards herzustellen. Die Nummern wurden
nun eine nach der anderen auf dem Computer der Telefongesellschaft AT&T ausprobiert. Da die Verbindung zum AT&T-Calling-Card-Service
kostenlos ist und der AT&T-Computer keine Fragen stellt, kann ein Phreaker tagelang ungestört herumprobieren, bis er eine existierende
Nummer gefunden hat. Aber eine zufällig gefundene Calling-Card-Nummer ist natürlich nicht unbegrenzt gültig. Spätestens wenn die Abrechnung der
Calling Card erfogt, wird dem Besitzer klar, daß er nicht der einzige gewesen sein kann, der mit seiner Karte telefoniert hat.[...]
Schließlich entdeckte ein Phreaker einen gravierenden Fehler der Kommunikationsgesellschaft MCI. MCI hatte Tausende von
CallingCard-Nummern, die von keinem Kunden aktuell genutzt wurden, in einem Computer reserviert. Mit Hackversuchen gelang es der Szene,
Zugang zu diesen Kartennummern zu bekommen. In der Szene nannte man diesen höchst willkommenen Fehler den ' MCI-Bug'. Durch den
MCI-Bug sind mehrere tausend Calling-Card-Nummern in die Szene gelangt. An jeder Ecke konnte man plötzlich illegal Nummern erwerben,
und dies sogar in ungewöhnlich großen Mengen. Dadurch explodierte die Szene förmlich. Denn durch die rapide gestiegene Zahl der illegal in die
Szene gelangten Calling-Card-Nummern gab es Szenemailboxen mit Raubkopien wie Sand am Meer. MCI bemerkte erst nach einiger Zeit, was
vor sich ging, und es dauerte nur wenige Tage, bis der Fehler behoben war. Alle Kartennummern, die durch den MCI-Bug in Umlauf gekommen
waren, wurden ungültig. Die Szene mußte sich wieder etwas einfallen lassen. Kurze Zeit später hatten Phreaker aus der Szene einen V-Mann in der
amerikanischen Telefongesellschaft MCI, der sie mit Kartennummern versorgte. Daraufhin hatten die Telefongesellschaften endgültig genug.
Ein Exempel mußte statuiert werden, damit die Aktivitäten der Phreaker aufhörten. Es folgten einige schwere Schläge gegen die Szene. Mitte 1994
verhaftete das FBI ein Szenemitglied, das an der Quelle zu Calling-Card-Nummern saß. Das Mitglied hatte in regelmäßigen Abständen
große Pakete mit bis zu tausend Kartennummern an die Szene weiterverkauft. Mehr als fünfeinhalb Jahre mußte der Betroffene dafür
ins Gefängnis. Die Hintermänner wurden natürlich nicht geschnappt. In der Szene kursierte aber das Gerücht, daß es sich dabei um ein TRSI-Mitglied gehandelt hätte.
Dem deutschen 'Calling-Card-König' Kim Schmitz (Kimble) erging es ähnlich. Kimble, damals gerade erst zwanzig Jahre alt, war wohl einer der
wichtigsten und größten deutschen Phreaker, die es je in der Szene gegeben hatte. Er verkaufte Calling-Card-Nummern im großen Stil und
wurde zu einem der Hauptlieferanten der weltweiten Szene. Daneben handelte er auch mit gefälschten Kreditkarten. Auch Kimble wurde
geschnappt und wanderte zunächst für drei Monate ins Gefängnis, bis seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. [...]
NO COPY - DER FILM |

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Die Geschichte der digitalen Raubkopie mit Denis Moschitto als Sprecher |
The history of digital piracy in a short movie. With the famous german actor Denis Moschitto as speaker. |
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NEU |
Jan Krömer / Evrim Sen NO COPY Die Welt der digitalen RaubkopieISBN: 3-608500-82-0 Tropen Verlag Berlin EUR 15,80

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