Hackerland

3. Auflage

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Calling Cards

Der Sinn und Zweck einer Calling Card besteht darin, bargeldloses Telefonieren von jedem Punkt der Welt aus möglich zu machen, und zwar überall zum gleichen Tarif. Dies ist besonders für Unternehmen attraktiv, die Mitarbeiter im Ausland beschäftigen. Anders als in Deutschland ist in Amerika der Calling-Card- Service, der von den Telefongesellschaften AT&T und MCI angeboten wird, üblich. Zwar bietet die Telekom mit ihrer T-Card einen ähnlichen Service an, doch wurde dieser von deutschen Firmen noch nicht richtig angenommen.
Zum Telefonieren mit einer Calling Card ist die Karte selbst nicht nötig. Man braucht nur die vierzehnstellige Nummer der Karte zu wissen. Ein Mitarbeiter eines amerikanischen Unternehmens in Deutschland kann mit der Nummer seiner Calling Card sämtliche Gespräche, seien sie beruflich oder privat, von jedem Telefon aus bargeldlos führen. Dazu muß er nur den entsprechenden kostenlosen Calling-Card-Service (in Deutschland: 0800/2255288) anrufen und die Nummer seiner Karte durchgeben. Der Operator oder ein Computer verbindet den Kunden dann mit dem gewünschten Teilnehmer. Die Telefongebühren werden automatisch von seinem Konto abgebucht.

AT&T Calling Card

Irgendwann fiel einem Phreaker auf, daß die vierzehnstellige Nummer einer Calling Card nach einem bestimmten Algorithmus aufgebaut ist. Durch diese Entdeckung war es den Phreakern möglich, eigene Calling Cards herzustellen. Die Nummern wurden nun eine nach der anderen auf dem Computer der Telefongesellschaft AT&T ausprobiert. Da die Verbindung zum AT&T-Calling-Card-Service kostenlos ist und der AT&T-Computer keine Fragen stellt, kann ein Phreaker tagelang ungestört herumprobieren, bis er eine existierende Nummer gefunden hat. Aber eine zufällig gefundene Calling-Card-Nummer ist natürlich nicht unbegrenzt gültig. Spätestens wenn die Abrechnung der Calling Card erfogt, wird dem Besitzer klar, daß er nicht der einzige gewesen sein kann, der mit seiner Karte telefoniert hat.

[...]

Schließlich entdeckte ein Phreaker einen gravierenden Fehler der Kommunikationsgesellschaft MCI. MCI hatte Tausende von CallingCard-Nummern, die von keinem Kunden aktuell genutzt wurden, in einem Computer reserviert. Mit Hackversuchen gelang es der Szene, Zugang zu diesen Kartennummern zu bekommen. In der Szene nannte man diesen höchst willkommenen Fehler den ' MCI-Bug'. Durch den MCI-Bug sind mehrere tausend Calling-Card-Nummern in die Szene gelangt. An jeder Ecke konnte man plötzlich illegal Nummern erwerben, und dies sogar in ungewöhnlich großen Mengen. Dadurch explodierte die Szene förmlich. Denn durch die rapide gestiegene Zahl der illegal in die Szene gelangten Calling-Card-Nummern gab es Szenemailboxen mit Raubkopien wie Sand am Meer. MCI bemerkte erst nach einiger Zeit, was vor sich ging, und es dauerte nur wenige Tage, bis der Fehler behoben war. Alle Kartennummern, die durch den MCI-Bug in Umlauf gekommen waren, wurden ungültig. Die Szene mußte sich wieder etwas einfallen lassen.
Kurze Zeit später hatten Phreaker aus der Szene einen V-Mann in der amerikanischen Telefongesellschaft MCI, der sie mit Kartennummern versorgte. Daraufhin hatten die Telefongesellschaften endgültig genug. Ein Exempel mußte statuiert werden, damit die Aktivitäten der Phreaker aufhörten. Es folgten einige schwere Schläge gegen die Szene. Mitte 1994 verhaftete das FBI ein Szenemitglied, das an der Quelle zu Calling-Card-Nummern saß. Das Mitglied hatte in regelmäßigen Abständen große Pakete mit bis zu tausend Kartennummern an die Szene weiterverkauft. Mehr als fünfeinhalb Jahre mußte der Betroffene dafür ins Gefängnis. Die Hintermänner wurden natürlich nicht geschnappt. In der Szene kursierte aber das Gerücht, daß es sich dabei um ein TRSI-Mitglied gehandelt hätte.
Dem deutschen 'Calling-Card-König' Kim Schmitz (Kimble) erging es ähnlich. Kimble, damals gerade erst zwanzig Jahre alt, war wohl einer der wichtigsten und größten deutschen Phreaker, die es je in der Szene gegeben hatte. Er verkaufte Calling-Card-Nummern im großen Stil und wurde zu einem der Hauptlieferanten der weltweiten Szene. Daneben handelte er auch mit gefälschten Kreditkarten. Auch Kimble wurde geschnappt und wanderte zunächst für drei Monate ins Gefängnis, bis seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde.
[...]

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Die Geschichte der
digitalen Raubkopie mit
Denis Moschitto als Sprecher

The history of digital piracy
in a short movie. With the
famous german actor
Denis Moschitto as speaker.



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