Schwarze Schafe Der größten
Gefahr waren Boards dann ausgesetzt, wenn jemand aus den eigenen Reihen im Auftrag einer Anwaltskanzlei herumspionierte. Diese Leute werden in der Szene Buster genannt und sind der
größte Feind der illegalen Szene. Es waren vor allem die jüngeren Systernbetreiber, die durch ihre Naivität eher von der Polizei erwischt wurden als andere. Ertappte Systembetreiber
gaben oft aus Angst vor einer zu hohen Strafe nach und verrieten Boards in ihrem Umkreis. Von dieser Art Deal versprachen sich viele, denen ein Prozess drohte, mildernde Umstände.
In der Regel wurde der gebustete Systembetreiber eines Boards unverzüglich aus allen Boards der Welt, in denen er Mitglied war, ausgetragen. Dabei interessierte es kaum jemanden, ob
der Systembetreiber der Polizei nun etwas verraten hatte oder nicht. Verständlicherweise mochte sich keiner einem erhöhten Risiko aussetzen, und deswegen ging ein Systembetreiber
immer vom Schlimmsten aus. Nachdem ein Board lahmgelegt worden war, verbreiteten sich innerhalb weniger Stunden Gerüchte über bestimmte Personen, die diesen Vorfall verursacht
haben könnten. Denn die Szene verfügte über sehr gute Beziehungen und ermittelte immer selbst. Letzten Endes kam sie meistens an die erforderlichen Informationen, um Verräter zu
entlarven - entweder durch Bestechung oder durch Freunde in hohen Positionen. Es konnte sogar vorkommen, daß ein Systembetreiber schon Wochen, bevor die Polizei selbst davon wußte,
mit einer Hausdurchsuchung rechnete. So etwas war natürlich nur dann möglich, wenn die Szene Informanten direkt in einer Anwaltskanzlei hatte, die in dieser Angelegenheit ermittelte.
Es war ein gefährliches Unterfangen, ein Board zu führen, doch konnte es der erste große Schritt einer ruhmreichen Szene-Karriere sein. Wer ein Board richtig führte, konnte
Mitglieder aus allen Ländern der Welt gewinnen, was der beste Weg war, den Namen des eigenen Boards populär zu machen. Doch nicht jedes Szenemitglied konnte das eigene Board lange
erfolgreich führen. Häufig waren die Konkurrenzkämpfe zwischen den Boards zu heftig und zwangen auch erfahrene Systembetreiber aufzuhören, denn in der Szene galt das Gesetz des
Stärkeren. jeder, der im Kampf um Geschwindigkeit und Software nicht standhalten konnte, war es nicht wert, ein Board im Namen seiner Gruppe, geschweige denn im Namen der Szene, zu
führen. Durch verschiedene Tricks und Hacks versuchten Systembetreiber, Boards von Neueinsteigern lahmzulegen - und das oft mit Erfolg. Sollten jedoch alle Maßnahmen nicht
weiterhelfen, scheuten viele Szenemitglieder auch nicht davor zurück, ihre Konkurrenz der Polizei auszuliefern.
Auch heute noch gibt es zahlreiche Boards, die auf diese Weise
funktionieren. Das Anwählen des Boards mit dem Modern zu einer festen Telefonnummer ist jedoch nicht mehr üblich. Das ganze verlagerte sich im Laufe der Jahre ins Internet. Hier ist
Anonymität gewährleistet und die Zurückverfolgung durch die Polizei wird zusätzlich erschwert. Die Zielgruppe und auch der Profit ist größer geworden. Die heutige Szene im Internet
folgt im Detail dem Beispiel der Board-Szene. Viele Hacker alten Schlags sind noch heute aktiv und haben die illegale Board-Szene guten Gewissens ins Internet transferiert. So gibt es
eine große Anzahl von FTP und TELNET-Adressen im Internet, die nach diesem Geben/Nehmen-Prinzip arbeiten. Der Kampf um Raubkopien ist durch die neue Generation nicht etwa abgeflaut.
Im Gegenteil: Der Tausch und Handel mit Raubkopien blüht wie nie zuvor. Die Pforten der Szene sind weit geöffnet.
NO COPY - DER FILM |

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DEUTSCH |
ENGLISH |
Die Geschichte der digitalen Raubkopie mit Denis Moschitto als Sprecher |
The history of digital piracy in a short movie. With the famous german actor Denis Moschitto as speaker. |
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NEU |
Jan Krömer / Evrim Sen NO COPY Die Welt der digitalen RaubkopieISBN: 3-608500-82-0 Tropen Verlag Berlin EUR 15,80

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